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celluloid bei der Berlinale 2010
LIVE AUS BERLIN
Roman Polanski wird für "The Ghostwriter" mit dem Silbernen Bären als bester Regisseur geehrt - in Abwesenheit
Goldener Bär geht in die Türkei
FINALE IN BERLIN MIT PREISVERLEIHUNG
„Selbst wenn ich könnte, würde ich nicht kommen, denn als ich das letzte Mal zu einem Festival fuhr, um einen Preis entgegen zu nehmen, wurde ich verhaftet.“ Ja, Regisseur Roman Polanski hatte seine Gründe, den Silbernen Bären für die Beste Regie seines Films „The Ghostwriter“ bei der diesjährigen Berlinale nicht persönlich abzuholen. Einer davon ist eine Fußfessel, die ihn in seinem Schweizer Chalet festhält, seit ihn die Polizei beim Züricher Filmfestival aufgrund des internationalen Haftbefehls gegen ihn dingfest machte. Polanski hat vor rund 30 Jahren in den USA eine junge Frau vergewaltigt und befindet sich seitdem auf der Flucht vor US-amerikanischem Terrain. Weshalb er den Drehort seines überaus spannend inszenierten Thriller „Ghost Writer“, die amerikanische Insel Martha’s Vineyard, auch großteils im Berliner Studio Babelsberg nachbauen ließ. So lasen die Produzenten des Films bei der Abschlussgala eben Polanskis „Dankes“-Mail vor und die Berlinale war wieder um einen Star ärmer. Der Glamourfaktor dieser Berlinale hielt sich sozusagen am selben Level wie die Temperatur in Berlin: Um Null. Aber wie fasste es Festivaldirektor Dieter Kosslick in einem Kommentar zusammen: „Haben wir viele große Studios mit Starfilmen im Wettbewerb, regen sich alle auf. Haben wir das nicht, auch.“ Ist ja wie mit dem Wetter. Der Goldene Bär für den Besten Film ging an den türkischen Regisseur Semih Kaplanoglu für seinen Beitrag „Bal“ („Honig“). Kaplanoglu, der in seiner Trilogie „Yumurta“ („Ei“), „Süt“ („Milch“) und nun „Bal“ das Leben im ländlichen Anatolien beleuchtet, nutzte seine Dankesrede für ein politisches Statement: „Dieses Gebiet, in dem ich filmte, ist unglaublich. Aber es ist von Zerstörung bedroht, weil dort Kraftwerke gebaut werden sollen. Ich hoffe, dass dieser Preis auch dazu beitragen kann, dies zu verhindern.“Ökologisch bedroht ist auch die Arktis, wo Alexej Popogrebskis Film „How I Ended This Summer spielt“. Dessen Hauptdarsteller sowie Kameramann Pavel Kostomarov, Grigory Dobrygin und Sergei Puskepalis wurden mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.Zufrieden zeigte sich jedenfalls Regisseur Wang Quan’an, der für die chinesische Liebesgeschichte eines durch den Krieg getrennten, aber irgendwie doch immer verbunden gebliebenen alternden Paares den Silbernen Bären für das Beste Drehbuch entgegennahm: „So kalt das Wetter auf dieser Berlinale war, so warm waren die Filme im Kino.“ Ein Gefühl, das viele nicht nachvollziehen konnten, angesichts des relativ schwachen, aber vor radikalen, aggressiven Filmen bestimmten Wettbewerbs.Quan’an gewann 2007 mit „Tuyas Hochzeit“, einer Geschichte über das Leben in der Mongolei, den Goldenen Bären. Das mit Laiendarstellern besetzte, rumänische Gefängnis-Jugenddrama „If I want to whistle I whistle“ von Florin Serban wurde sowohl mit dem Alfred Bauer-Preis als auch mit dem Silbernen Bären Großer Preis der Jury ausgezeichnet. „Dies ist mein erster Film, mein erstes Festival, und ich bekomme zwei große Preise. Ich freue mich“, fehlten Serban fast die Worte. Arme und Beine fehlen dem japanischen Soldaten, der in „Caterpillar“ nach dem Krieg wieder in die Obsorge seiner Frau gegeben wird. Vorher ein Tyrann, nachher ein Tyrann, muss sie ihn pflegen, das erwartet die Ehre. Die Hauptdarstellerin Shinotu Terajima erhielt für ihre Darstellung den Silbernen Bären. Über den diesjährigen Wettbewerb, der stark existentielle Themen wie Liebe, Gewalt und Religion aufgriff, urteilte die internationale Jury laut ihrem Präsident Werner Herzog sehr leicht: „Unsere Entscheidungen fielen alle sehr schnell. Es gab keinen einzigen Film, bei dem wir uns nicht einig waren.“Alle Preisträger: www.berlinale.de
Szenenbilder aus dem Preisträgerfilm "Bal"
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