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Zwischen Revolution und Untergrund liegt nur ein schmaler Grat. Regisseur Andres Veiel („Black Box BRD“) zeigt in seinem Spielfilmerstling „Wer wenn nicht wir“ im Berlinale-Wettbewerb, wie unterschiedlich sich Menschen entwickeln können, vor dem Hintergrund einer realen Geschichte, die Deutschland in den 70er Jahren entscheidend prägte: Der Terror der RAF rund um Andreas Baader. Veiel beginnt seine Geschichte aber in den frühen 60er Jahren mit der Liaison zwischen Bernward Vesper (August Diehl), dem Sohn des NS-Schriftstellers Will Vesper, und Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis), die später an der Seite von Baader eine entscheidende Figur der RAF werden wird. Doch zu Beginn baut sie noch mit Vesper einen kleinen Verlag auf, in dem dieser die Werke seines Vaters neu auflegen will. Zu einer Zeit, als das eigentlich unmöglich war, weil die Zeichen in Deutschland auf Aufbruch standen, weg vom alten NS-Sumpf. Ensslin hatte – man glaubt es kaum – sogar einmal eine glühende, verehrende Rezension über ein Werk von Will Vesper verfasst. „Wer wenn nicht wir“ erzählt die Liebesgeschichte zwischen Bernward Vesper und Gudrun Ensslin, die sich über zehn Jahre erstreckt, in denen er mehr und mehr dem Wahnsinn verfällt, belastet durch die NS-Vergangenheit seines Vaters, während Ensslin sich mit Andreas Baader (Alexander Fehling) mehr und mehr in den Untergrund kämpft.„Es geht um die Frage, wie sich Menschen entwickeln. Warum werden einige radikal wie Ensslin und Baader, die noch dazu aus Elternhäusern kamen, in denen leidenschaftlich diskutiert werden konnte, auch über die NS-Zeit“, sagt Regisseur Andres Veiel. „Und andererseits gibt es Menschen wie Bernward Vesper, der eigentlich allen Grund dazu gehabt hätte, in den Untergrund zu gehen und sich gegen seine Eltern aufzulehnen. Aber er hat diesen Kampf lieber allein mit sich selbst ausgefochten“. Der Film sorgte nach seiner Berlinale-Premiere für reichlich Gesprächsstoff, denn so hatte man die Wurzeln der RAF noch nie im Kino betrachtet: Die Vorzeit, in der die Keimzellen des Terrors lagen, zeigt Veiel in „Wer wenn nicht wir“ von einer überaus menschlichen Sicht: Er verortet die politische Prägung in familiären und zwischenmenschlichen Bindungen. Matthias Greuling
Filmtrailer "Wer wenn nicht wir", darunter Filmszene (Bild: Berlinale)
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