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Berlinale-Premiere für "Der Räuber"

celluloid berichtet an dieser Stelle von der 60. Berlinale in Berlin (11.-21.2. 2010)

celluloid bei der Berlinale 2010

LIVE AUS BERLIN

Der deutsch/österreichische Wettbewerbsbeitrag “Der Räuber” von Benjamin Heisenberg, mit Andreas Lust und Franziska Weisz in den Hauptrollen, feierte Premiere in Berlin.

Räuber, Läufer und tätowierte Hamster

PREMIERE VON "DIE RÄUBER"

Laufen – Laufen – Laufen – Bank Überfallen – Laufen – Bank Überfallen – Laufen – Laufen. Wahrlich spektakuläre Szenen spielen sich ab, Ende der 80er-Jahre in Österreich: Ein gewisser Johann Rettenberger ist frisch aus dem Gefängnis Stein entlassen und macht genau mit dem weiter, das ihn dorthin gebracht hat: Er überfällt Banken, oft sogar drei am Tag, immer maskiert mit einer Ronald Reagan-Maske. Im Gefängnis hat er das (Davon-)Laufen trainiert, noch schneller ist er jetzt als vorher; den Vienna City Marathon wird der “Pumpgun-Ronnie” als “bester Österreicher” durchlaufen und die Polizei wird er in seinen Laufschuhen besser abhängen, als mit jedem Ferrari. Gefangen bleibt er trotzdem. In sich, mit seinem Zwang, zu laufen. “Wir porträtieren den Räuber als Liebenden und Freiheitssuchenden”, erklärt Heisenberg im Interview mit cineplexx.at in Berlin über seine zweite Regiearbeit nach dem erfolgreichen “Schläfer” (2005). Bewusst habe er die Hauptfigur als “apsychologischen Charakter” angelegt: “Zu erklären, warum jemand etwas tut, klammert viele Facetten einer Person aus.” Nichts erfährt man deswegen im dem teilweise sehr starken Film über die Hintergründe oder die Motivation Rettenbergers, nichts über seine Familie, die nach seiner Entlassung lediglich aus seiner Ex-Freundin Erika (Franziska Weisz) besteht, die ihn bei sich wohnen lässt. “Ich begreife ihn als ein Phänomen”, sagt Heisenberg, “als jemand, der einen Weg finden musste, mit einer innewohnenden, unbändigen Energie umzugehen. Als bestünde er aus einer äußeren und inneren Person, dehnt sich die innere in Momenten größter Anspannung extrem aus – und nur dann spurt er sich. Das Laufen ist für ihn Flucht wie Sucht.”Heisenberg traf in der Vorbereitung des Films auch die Witwe Rettenbergers, versprach ihr aber, sie aus der öffentlichen Berichterstattung rauszuhalten. “Das respektiere ich natürlich, ebenso, wie ich Rettenbergers Anarchie-Gedanken respektiere, sich nicht einsperren lassen zu wollen, nicht mal von sich selbst,” sagt er und beschreibt sein eigenes Faible für Anarchie so: “Ja, ich mache auch gern mal was gegen den Strich. Ich kaufte einmal 200 tote Ratten aus dem Versuchslabor und präparierte sie mit Formaldehyd. 100 davon verarbeitete ich in einer Kunstskulptur, die restlichen bewahrte ich 2 Jahre lang im Keller auf. Interessant war auch, als ich einen Hamster rasierte und tätowierte. Bitte schreiben Sie wahrheitsgemäß, dass er das schon tot war, ohne mein Verschulden. Sonst rufen mich alle Tierschützer jetzt an!” Ganz anderen Herausforderungen hatte sich Andreas Lust für seine Rolle zu stellen: “Ich musste dahinkommen, nicht auszusehen wie ein Schauspieler, der Marathon läuft, sondern wie ein Marathonläufer, der spielt. Das war hart.” Mit einem speziellen Training trimmte er sich dafür fit und Martin Prinz, der Autor des Romans, auf dem dieser Film basiert, machte den Lauf-Coach. Für die Szenen beim Vienna City-Marathon hatten Heisenberg und sein Team nur eine Chance: “So ein Marathon wird ja nicht extra für dich wiederholt”, lacht Heisenberg. “Pumpgun-Ronnie”, der der Polizei bis zuletzt davonlief, sorgt im Film nicht nur für schwarzhumorige Banküberfall-Szenen, schnittige Verfolgungsjagden und Auftritte echter Wiener Polizeibeamte sondern auch für einen kleinen Streifzug durch die österreichische Land- und Gesellschaft: “Wir drehten unter anderem in der Hohen Wand, im Wiener Wald, in der Neuen Welt, auf der A1, in Schwechat und kleinen Ortschaften in Niederösterreich.” Doch zu optimistisch, wer jetzt denkt, eine Banküberfall-Szene könnte in einer Ortschaft für Aufregung sorgen. “Wir hatten nie groß abgesperrt, aber die Leute schienen so abgebrüht wie in Hollywood”, erinnert sich Heisenberg. “Da lief ein Mann mit einer Pumpgun in der Hand über den Marktplatz und niemandem schien das aufzuregen.”

Andreas Lust in "Der Räuber" (Foto: Petro Domenigg)









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