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"Habemus Papam" erzählt die Geschichte eines Geistlichen, der sich weigert, auf dem Heiligen Stuhl Platz zu nehmen
Nanni Moretti lässt den Papst davonlaufen
LIVE AUS CANNES
Matthias Greuling Alexandra Zawia
Wenn weißer Rauch überm Vatikan aufsteigt, dann ist ein neuer Papst gefunden. Vom Balkon aus werden die Worte „Habemus Papam“ verkündet und der neue Papst tritt vor die jubelnde Menge auf dem Petersplatz. Zumindest in der Theorie.In der Praxis kann so etwas schon mal ganz anders laufen, findet zumindest Filmemacher Nanni Moretti. Er hält sich in seinem Cannes-Wettbewerbsbeitrag „Habemus Papam“ bis zur Verkündung jener Worte an den Usus des Vatikan. Doch dann lässt er seinen frisch gewählten Papst schreiend vor der neuen Verantwortung davonlaufen.Frankreichs Alt-Star Michel Picccoli spielt Melville, den auserwählten Papst, der sich mit seiner neuen Rolle nicht anfreunden kann; tagelang vergräbt er sich in den Zimmern seines neuen Zuhauses, anstatt vor die Welt zu treten; von Tag zu Tag wird er sicherer: „Ich kann dieses Amt nicht ausüben“. Auch der herbeigeholte (atheistische) Psychoanalytiker (Regisseur Moretti spielt ihn selbst) kann nicht helfen, denn ihm wird verboten, mit dem Papst über dessen Vergangenheit, dessen Gedanken und möglicherweise auch Gelüste zu sprechen. Also wird Hilfe von Außen benötigt. Bei einem Ausflug nach Rom gelingt dem neuen Papst in Zivilkleidung die Flucht vor seinen Dienern. Ziellos streift er durch die Stadt auf der Suche nach Erleuchtung. Wird er diesen Job des Herrn erfüllen können?Es ist eine Groteske und ein Drama gleichermaßen, das Nanni Moretti hier mit viel launiger Ironie inszeniert, ohne der Katholischen Kirche aber jemals wirklich zu nahe zu treten. „Habemus Papam“ ist voller Respekt für die Rituale und Gebarungen des Konklave, für die Riten und Bet-Zyklen der Kardinäle. Dass dabei so einiges unfreiwillig komisch ist, betont Moretti in seiner Inszenierung und schafft dadurch den Spagat aus feiner Komödie und messerscharfer Glaubens-Analyse. Letztere findet auf zwei Ebenen statt: Während Melville im echten Leben als Zivilist an die Wurzeln seiner Verweigerung des Heiligen Stuhls gelangt, muss der Psychoanalytiker im Vatikan bleiben, damit er den Namen des frisch Gewählten niemandem kundtun kann - ein Rollentausch mit einschneidenden Erkenntnissen auf beiden Seiten.„Der Film zeigt meine ganz persönliche Sicht auf den Vatikan“, sagt Moretti. „Aber die Themen, von denen ich erzähle, wären auch auf andere Lebenswelten übertragbar“. Daher thematisiert „Habemus Papam“ auch nicht die Probleme der Katholischen Kirche, kommentiert weder Missbrauchs-Skandale noch den Konservativismus der Kirche. „Ich will den Leuten nicht erzählen, was sie erwarten“, sagt Moretti. „Darüber gibt es genügend Bücher und Filme. Ich erzähle lieber eine erfundene Geschichte: Mein Film dreht sich um meinen Vatikan, mein Konklave und meine Kardinäle“. Matthias Greuling, Cannes
Szene aus "Habemus Papam" (Foto: Festival de Cannes)
Trailer "Habemus Papam"
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