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Regisseur Robert A. Pejo über seinen Spielfilm "Der Kameramörder"
"Wie gut kennt man einen Menschen wirklich?
DIAGONALE-ERÖFFNET MIT "DER KAMERAMÖRDER"
Wer ist der Nächste? Meine Güte, in der Tüte, saß ein Kater, macht Theater, kam der Bär, macht noch mehr, kam die Maus und du bist raus“, mit diesem Reim beginnt ein Snuff-Video, das im Psycho-Drama „Der Kameramörder“ nicht nur das Leben von drei Kindern, sondern auch jenes von zwei Pärchen für immer verändert: Der Besuch von Heinrich („Der Räuber“ Andreas Lust) und Eva bei ihrem alten Freund Thomas und dessen Freundin hätte der Auftakt eines idyllischen Osterwochenendes werden sollen. Als in der Abgeschiedenheit der Pannonischen Tiefebene allerdings drei Kinder verschwinden und ein mysteriöses Video auftaucht, schlagen unausgesprochene Emotionen in offene Feindseligkeit um: Hat einer aus dem Quartett etwas mit dem Verbrechen zu tun? Misstrauen, Anschuldigungen und Verdächtigungen – das sind die Zutaten, mit denen Regisseur Robert Adrian Pejo den Eröffnungsfilm der heurigen Diagonale zu einem kammerspielartigen Leinwand-Gefühlscocktail mixt. Basierend auf Thomas Glavinics gleichnamigem Erfolgsroman zeigt Pejo, dass Kino erst im Kopf der Zuseher entsteht, und der Schrecken nicht in bluttriefende Bilder gegossen werden muss, um einen Albtraum wahr werden zu lassen.celluloid: Was bedeutet es für Sie, dass „Der Kameramörder“ die Diagonale eröffnet?ROBERT A. PEJO: Das ist natürlich eine große Ehre und ich hoffe auf ähnlich positive Reaktionen, wie beim „Hungarian Film Week“-Festival (Anm. Auszeichnung mit dem Regie-Preis). Was war die größte Herausforderung bei der Verfilmung des Romans? Die Quintessenz der Buchvorlage ohne explizite Gewaltdarstellung in präsentabler Form auf die Leinwand zu bringen. Um die innere Gewalt der Filmfiguren in die Köpfe der Zuseher verpflanzen zu können, musste ich eine neue Form finden: ein Drama im Rahmen eines Thrillers, der das Innenleben der Filmfiguren ans Tageslicht bringt. Mich hat vor allem das Spiel von Beziehungen und Bindungen interessiert: Wie gut kennt man einen Menschen wirklich? Schließlich hat jeder eine dunkle Seite – ein Monster, das in uns schlummert.Wie war die Zusammenarbeit mit Buchautor Thomas Glavinic?Er hat sich bei der Arbeit am Drehbuch komplett herausgehalten und erst den fertigen Film gesehen. Seine Reaktion war sehr positiv. Ich glaube, wir haben einen schönen Weg gefunden, dem Gehalt des Buches Rechnung zu tragen. Ist das offene Filmende der komplexen Vorlage geschuldet?Nein, dass war eine bewusste Entscheidung. Mein Ansatzpunkt war ein anderer als im Roman: Ich wollte zeigen, dass hinter dem Bösen eines Menschen immer auch etwas Positives steckt – deshalb am Ende ein Schimmer von Hoffnung.Über den Background der Filmfiguren erfährt man nur sehr wenig . . .Ich wollte nicht psychologisieren und Erklärungen liefern, weshalb der Mörder die Tat begeht. Meine Grundidee war: die Vergangenheit der Filmfiguren auszuradieren, damit sie pur in der Situation agieren können. Die Austauschbarkeit und Sinnlosigkeit der Tat wird dadurch unterstrichen – ein grundloser Mord hinterlässt beim Zuseher ein Gefühl, das ihn nicht so leicht loslässt. Interview: Jürgen Belko
Oben: "Der Kameramörder" (Thimfilm)Unten: Regisseur Robert A. Pejo
celluloid berichtet an dieser Stelle von der Diagonale in Graz (16.-21.3.2010)
celluloid bei der Diagonale 2010
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