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Die Diagonale-Festivalleiterin im Interview über die Budgetsorgen der Filmschau
"110.000 Euro mehr würden die Situation merklich entspannen"
DIAGONALE-INTENDANTIN BARBARA PICHLER
celluloid: Am Beginn Ihres ersten Jahres als Diagonale-Intendantin sprachen Sie davon, das Festival „breiter" aufstellen zu wollen, im Sinne von „über die Grenzen Österreichs hinaus“ bekannt zu machen und den Filmen auch abseits des Festivals mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Wie geht dieses Vorhaben voran? BARBARA PICHLER: Dieses Vorhaben geht sehr gut voran. Wir haben letztes Jahr eine neue Programmreihe eingeführt - Spektrum - in der wir Filme zeigen, die so genannte "minoritäre Koproduktionen" sind, also Koproduktionen mit österreichischer Beteiligung. Und heuer ist diese Programmsektion bereits deutlich gewachsen und wirklich sehr interessant. „Breiter“ ist das Programm aber auch durch einen internationalen Gast, dieses Jahr ist es der deutsche Filmemacher Romuald Karmakar. Und vor allem durch die vielen internationalen Branchengäste, die auf das Festival kommen: ProduzentInnen, TV-RedakteurInnen, FilmemmacherInnen und sehr viel Presse und KuratorInnen. Die letzte Diagonale war ein guter Schritt in diese Richtung und auf dieser Basis arbeiten wir weiter.Welche neuen, positiven Entwicklungen gab es im letzten Jahr? Wie hat sich etwa das "trilaterale Koproduktionstreffen" bewährt?Das trilaterale Koproduktionstreffen war ein sehr wichtiger Teil der Diagonale 2009. Nicht nur wegen der Inhalte, die besprochen wurden - Koproduktion ist wie erwähnt natürlich ein bestimmendes Thema des Produktions- und Finanzierungsalltags. Vor allem war dieses Treffen aber auch ein Signal, dass es uns wichtig ist, Akzente für die Branche zu setzen und auch eine Plattform für Gespräche unter KollegInnen zu sein. Die Reaktionen waren sehr positiv und haben uns darin bestätigt, diesen Aspekt des Festivals weiter zu entwickeln. Insgesamt war 2009 ein sehr gutes Jahr für das österreichische Kino, mit vielen außerordentlichen Filmen und sehr vielen Festivalerfolgen und internationalen Preisen. Dazu kommen auch positive Entwicklungen auf anderer Ebene, zum Beispiel in Bezug auf die Förderpolitik, denn nach langen Vorgesprächen soll im Sommer nun auch ein neues Fördermodell für den österreichischen Film in Kraft treten. Diesem Thema werden wir uns im Rahmen der Diagonale 2010 ausführlich widmen. Und darüber hinaus waren die ZuschauerInnenzahlen so gut wie schon lange nicht mehr.Nach welchen Gesichtspunkten ist das diesjährige Programm gestaltet? Welche Unterschiede gibt es hier - auch was die Einreichungen betrifft - zum Vorjahr?Die Anzahl der Einreichungen ist ungefähr gleich wie im letzten Jahr, rund 460 Arbeiten. Auffallend ist, dass mehr dokumentarische Arbeiten eingereicht werden und dass die Filme im Schnitt länger werden. Die Gesichtspunkte der Programmgestaltung haben sich nicht grundlegend verändert: Im Auswahlprogramm verstehe ich es als Aufgabe der Diagonale, einen Querschnitt des aktuellen österreichischen Filmschaffens zu präsentieren und diese Auswahl wird natürlich von der aktuellen Produktionslage bestimmt. Die Sonderprogramme rund um die Wettbewerbe sollen andere Akzente und Blickwinkel präsentieren.Rechnet die Diagonale im Zuge der derzeitigen allgemeinen Aufstockung der Filmförderung mit mehr Budget? Wie viel wäre dringend?Leider ist das Gegenteil der Fall, wir wurden vom ÖFI heuer leicht gekürzt und hoffen, dass sich das im nächsten Jahr wieder ändern wird. Die Frage, wie viel dringend wäre, lässt sich so leicht nicht beantworten. Wir haben zwei „Problemfelder“, mit denen wir besonders kämpfen: Einerseits die Umbrüche in der Kinotechnik, die eine unverhältnismäßige und von uns nicht beeinflussbare Kostensteigerung im Bereich der Ausstattung unserer Spielstätten nach sich ziehen; andererseits der Wunsch nach einer nachhaltigeren Arbeit und dadurch nach einer Tätigkeit auch während des Jahres und über die Festivalwoche hinaus, da gibt es auch immer wieder Projektanfragen an uns. Beide Bereiche erfordern finanzielle Mittel, die im Moment nicht wirklich vorhanden sind, rund 110.000 Euro mehr würden die Situation merklich entspannen. Und wenn die Diagonale irgendwann wieder eine ganze Woche dauern und wieder am Montag beginnen soll, was angesichts der Fülle des Angebots wünschenswert wäre, dann müssten es aus derzeitiger Perspektive wohl eher an die 180.000 Euro sein. Interview: Alexandra Zawia
Diagonale-Festivalleiterin Barbara Pichler (Foto: Greuling)
celluloid berichtet an dieser Stelle von der Diagonale in Graz (16.-21.3.2010)
celluloid bei der Diagonale 2010
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