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Filmkritik "Der Räuber"

„Pumpgun-Ronnie“ sorgte einst für die größte Polizeifahndung Österreichs

"Der Räuber" läuft und läuft und läuft

FILMKRITIK

Er läuft – zuerst im Kreis, dann am Laufband, auf der Prater Hauptallee, im Wienerwald, querfeldein. Laufen als Lebensmotor und –zweck. Nicht anhalten, sich nicht niederlassen oder anpassen, stets auf der Flucht. Er läuft davon - der Polizei, der Liebe und der Zukunft, die Freiheit suchend. „Der Räuber“, Benjamin Heisenbergs zweite Regiearbeit, basiert auf dem gleichnamigen Erstlingswerk von Martin Prinz, der die Geschichte des in den späten 80er-Jahren „berühmt“ gewordenen Langstreckenläufers und Bankräubers Johann Kastenberger (im Buch und Film „Johann Rettenberger“) adaptierte. Gemeinsam mit Heisenberg erarbeitete Prinz – selbst begeisterter Marathonläufer – das Drehbuch und auch die Hauptrolle für Andreas Lust, was in ein paar gemeinsam gelaufenen Marathons mündete, die in den Film als Hitchcock-ähnliche Cameos einfließen. Andreas Lust spielt Johann Rettenberger eindrucksvoll als Sonderling, Einzelgänger und Einzelkämpfer, der außerhalb der Gesellschaft steht. Kaum aus der Haft entlassen, macht er dort weiter, wo er unterbrochen wurde. Er trainiert für Langstreckenläufe und raubt nebenher Banken in Wien und dem niederösterreichischen Umland aus. Die Überfälle erfolgen mit der gleichen Präzision wie sein Lauftraining. Es scheint so, als wären sie Teil davon. Bei seiner Flucht verzichtet er meist auf einen Fluchtwagen, sondern verlässt sich lieber auf seinen körperlichen Antrieb. Im gleichen Ausmaß wie er sein Laufpensum steigert, steigert er die Zahl und Intervalle seiner Raubzüge. An einem Tag gelingt ihm etwa einmal sogar ein Dreifachcoup. Ans Aufhören denkt er, obwohl er der Polizei mehrfach nur haarscharf entkommt, scheinbar nicht. Selbst als seine Ex-Freundin (Franziska Weisz), zu der die Liebe ungeahnt – und ungewollt – wieder aufgekeimt, ihn dazu auffordert: „Man kann sich entscheiden, daran glaub’ ich. Und wenn man das nicht tut, dann heißt das was“. Er entscheidet sich daraufhin, das zu tun, was er am besten kann: Entschlossen vor der Entscheidung davonzulaufen.KEINE PSYCHO–SPEKULATIONEN Der Film kommt ganz ohne spekulatives Psychologisieren aus. Erklärungen für Kastenbergers/Rettenbergers Taten bleiben aus, und auch sein Innenleben bleibt, bis auf seltene Rechtfertigungsversuche seiner Geliebten gegenüber, ebenfalls verschlossen. „Bin tot, lieg’ in mein Grob und hob sovü Energie, dass i wieder zruckumm, afoch aus Widerstand“, sagt er einmal, und lässt damit einen kleinen Einblick zu. Richtig identifizieren kann man sich mit dem Titelhelden, der keiner ist, nie – obwohl man sich dabei ertappt, wie man ihm bei den waghalsigen Verfolgungsjagden nicht nur die Daumen drückt, sondern dank der rasanten Kameraführung und der sehr stimmigen musikalischen Untermalung den Adrenalinkick am eigenen Körper zu spüren vermag, und sich dann erleichtert und ein wenig erschöpft wieder in den Kinosessel zurücklehnt, wenn ihm die Flucht gelungen ist.Regisseur Heisenberg („Schläfer“) versteht es, den Spannungsbogen aufzubauen und ihn zu halten. Dass der Film so authentisch daherkommt, verdankt er nicht so sehr der Tatsache, dass ihm eine wahre Begebenheit zugrunde liegt, sondern vielmehr der bis in die kleinsten Nebenrollen wunderbaren Besetzung, die das Lokalkolorit hör- und spürbar macht. Folgerichtig ist hier auch falsch, wer auf ein Hollywood-Happyend hofft. Sandra Lenk

Fotos: Thimfilm









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