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Filmkritik "Tetro"

FRANCIS FORD COPPOLAs autobiografisches Familien-Drama

Sehr persönlich

FILMKRITIK

Selbst fünf bewaffnete Gangster, die in Francis Ford Coppolas Haus eingebrochen und das Dreh-Skript für „Tetro“ gestohlen haben, konnten den „Godfather“ des US-Kinos letztlich nicht davon abhalten, seine Vision eines Familien-Dramas auf die Leinwand zu bringen – „eine Tragödie von griechischen Ausmaß“, wie Coppola betont. Und tatsächlich gelingt es dem Regie-Altmeister, der nach 35 Jahren (!) erstmals wieder selbst zur Feder gegriffen und ein eigenes Drehbuch verfilmt hat, in seinem Werk sämtliche Elemente der antiken Kunstform zu vereinen: Schicksalhafte Verstrickungen, (scheinbar) ausweglose Konfliktsituationen und jede Menge Fragen rund um Schuld und Sühne.„Nichts an dem Film hat sich in der Realität so zugetragen – aber alles ist wahr“, spielt Coppola auf die autobiografischen Züge des Dramas an, in dem der 17-jährige Bennie auf der Suche nach seinem älteren Bruder in Buenos Aires strandet. Dort lebt der erstgeborene Spross der italo-argentinischen Künstlerfamilie als verschroben-melancholischer Dichter „Tetro“, der über das konfliktreiche Verhältnis zum gemeinsamen Vater und Patriarchen der Familie ein unvollendetes Theaterstück geschrieben hat – das erst mit Bennies Erscheinen eine überraschende Finalisierung erfährt.In „The Godfather“ (1972) blickte Coppola anhand eines epischen Familien-Kaleidoskops hinter gesellschaftliche Masken, in „Apocalypse Now“ (1979) inszenierte er den Vietnam-Krieg als Leinwand-Oper – mit „Tetro“ lässt der fünffache Oscar-Preisträger nun die klassische Tragödie im Kino wiederauferstehen und nutzt die Welt des Theaters, um eine Freud‘sche Familienaufstellung zu schildern. Beeindruckend vor allem der optische Schauwert, mit dem er die ungelösten Vater-Sohn-Konflikte in Szene setzt: Während der Plot an einigen Stellen zu sehr ins Artifizielle abdriftet, sorgt die kühle Schwarz-Weiß-Ästhetik des Films für eine durchgängig klare Bildsprache. Auch von seiner (oftmals kritisierten) Experimentierfreudigkeit hat der in die Jahre gekommene Hobby-Winzer nichts verloren – im Gegenteil: Es scheint fast, als wolle Coppola mit seinen monochromen Szenerie-Kompositionen, die nur von einmontierten Farb-Rückblenden auf die tragische Familien-Vergangenheit unterbrochen werden, bewusst einen Kontrapunkt zum Schnellschnitt-Gewitter der von ihm kritisierten Hollywood-Blockbuster-Industrie setzen.BRANDAUERKeine Experimente geht das Oberhaupt des Coppola-Clans hingegen bei der Auswahl seines Darsteller-Ensembles ein: Neben Universal-Künstler Vincent Gallo als überzeugend zerrissener Schriftsteller, schlüpft niemand geringerer als Klaus Maria Brandauer in die Rolle des übermächtigen Patriarchen, der mit seiner Egomanie die Familienbande auf eine harte Zerreißprobe stellt. Gespannt darf man auch sein, wie „Bennie“-Darsteller Alden Ehrenreich hierzulande beim (weiblichen) Publikum ankommt – in den USA wird der von Steven Spielberg entdeckte Newcomer bereits als Leonardo DiCaprio-Nachfolger gehandelt. -Jürgen BelkoKinostart: 18.12.2009

Foto: Stadtkino









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