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Interview Caroline Bottaro

Sandrine Bonnaire und Kevin Kline überzeugen in der konventionell erzählten Selbstbehauptungs-Chronologie "Die Schachspielerin". celluloid traf Regisseurin Caroline Bottaro in Paris zum Interview

Caroline Bottaro

Caroline Bottaro: "Die Stärke, sich zu befreien"

INTERVIEW

celluloid: Frau Bottaro, wie sind Sie auf die Buchvorlage zu „Die Schachspielerin“ gestoßen?Caroline Bottaro: Bertina Henrichs, deren Buchvorlage dem Film zugrunde liegt, war meine Nachbarin in Paris, und ich war die erste Person, die das Buch gelesen hat. Sie ist Deutsche, und sie hat das Buch auf Französisch geschrieben. Sie wollte wissen, was ich von ihrer Arbeit denke, da ich selbst in Deutschland aufwuchs. Am meisten faszinierte mich das Schicksal dieser Frau, die ein so langweiliges Leben lebt, die durch ihre Schachleidenschaft zu sich selbst findet, und dadurch nur Positives für ihr Leben erfährt. Beim Lesen des Buches war mir sofort klar, dass das ein großartiges Thema für einen Film ist. Und natürlich eine grandiose Möglichkeit für eine Schauspielerin. Ich dachte übrigens sofort an Sandrine Bonnaire, weil ich sie persönlich kannte. Ich schrieb vor 10 Jahren an dem Drehbuch zu „C’est la vie“, in dem sie und Jacques Dutronc die Hauptrollen spielten. Sie war sofort begeistert von „Die Schachspielerin“.Sandrine Bonnaire ist eine Schauspielerin, die zerbrechlich aussieht, aber eine enorme Stärke repräsentieren kann. Das stimmt. Diese Rolle von Hélène in „Die Schachspielerin“ wirkte auf mich so, als wäre es auch ein Porträt von Sandrine Bonnaire. Wir haben fünf Jahre lang an diesem Film gearbeitet, und in dieser Zeit konnte ich Sandrine sehr gut kennen lernen. Ich schrieb 18 Drehbuchfassungen, und in jeder Fassung war ein Stückchen mehr von Sandrine als Person drinnen. Spielen Sie Schach?Nein, und Sandrine Bonnaire und Kevin Kline spielen auch nicht Schach. Die Schachspiele im Film wurden eigenes konzipiert und von einem Schachprofi kontrolliert, damit auch alles stimmt. Es wird schnell klar, dass es in „Die Schachspielerin“ eigentlich gar nicht um Schach geht. Das stimmt. Man interessiert sich schnell mehr für die Personen, als für das Spiel. Es geht schließlich um die Befreiung von eigenen Lebensumständen, und das Schachspiel ist dafür nur ein Mittel zum Zweck. Es hätte auch etwas anderes sein können als Schach, damit sie sich selber findet. Interessant ist, dass Schach eher als Spiel für Männer und für Intellektuelle gilt – hier ist es eine Putzfrau, die plötzlich Schach spielt. Was mir gefiel, war diese Sinnlichkeit, die sie durch das Spiel erlebt. Es war mir extrem wichtig, das Schachspiel als sinnliche Erfahrung zu inszenieren.Wie haben Sie es geschafft, Kevin Kline für die Rolle des Schachlehrers zu gewinnen?Das ergab sich ziemlich spät. Ich wusste, dass Kevin Französisch beherrschte, und das war mir für die Rolle wichtig. Ich schickte ihm das Drehbuch und vier Tage später rief er mich an: 'Allo. C'est Kevin Kline á l'appareil'. Er sagte, er hätte seit zehn Jahren nicht so eine schöne Geschichte gelesen und wäre ein großer Fan von Sandrine Bonnaire. Voila, so kam die Zusammenarbeit zustande.Haben Sie den Eindruck, dass sich Frauen heute immer noch zu sehr unterordnen?Ich meine, dass das nicht allein Frauen betrifft. Sondern alle Menschen. Deshalb hoffe ich, dass sich jeder in der Figur wieder erkennt. Wenn man im Leben ein gewisses Alter erreicht hat, sagen wir 40, dann haben viele Menschen das Gefühl, ihr Leben sei nun auf Schiene und kann nicht mehr viel anders werden. Doch das muss nicht sein: Der Film hat diesen Optimismus zu sagen, dass es niemals zu spät ist, sein Leben zu ändern. Dazu bedarf es aber Stärke. Woher kommt die?Diese Stärke hat jeder, davon bin ich überzeugt. Es kommt nur darauf an, wie man sie frei macht. Das ist auch Arbeit, und das ist nicht einfach. Im Film entwickelt sich zwischen Sandrine Bonnaire und Kevin Kline eine besondere Beziehung. Inwiefern ist das auch eine Liebesaffäre?Für mich ist das wirkliche Liebe. Die beiden haben verschiedene Lebensumstände. Klines Figur verliebt sich wirklich in sie, er weiß aber auch, dass diese Zuneigung eine unmögliche ist. Für sie ist es eine Leidenschaft, aber die richtet sich eher auf das Schachspiel, für das sie ihn braucht. Beim Schach hat jeder Zug eine Konsequenz. Wie im Leben. Genau. Das war eine der Grundüberlegungen, die ich zu dem Film anstellte. Deshalb funktioniert das Schachspiel so gut als Metapher für den Befreiungsdrang meiner Protagonistin. Interview: Matthias Greuling

Szenenfoto aus "Die Schachspielerin"

Fotos: Filmladen

Matthias Greuling Alexandra Zawia









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