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Ehrenlöwe für chinesischen Regiegott. celluloid traf Woo in Venedig zum Interview
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Ein Goldener Löwe wurde bei diesen 67. Filmfestspielen von Venedig schon vergeben: Asiens Regiegott John Woo erhielt am Lido den Ehrenpreis für sein Lebenswerk und zeigte in Venedig seinen neuesten Film „Reign of Assassins“, eine Zusammenarbeit mit Su-Chao Pin und Michelle Yeoh in der Hauptrolle. Ein wichtiger Preis für einen Regisseur, der sich als Kind nie eine Kinokarte leisten konnte und sich „immer heimlich im Kino versteckte, um Filme zu sehen“, wie er Cineplexx.at in Venedig erzählte. „Sehr oft wurde ich erwischt und mit Fußtritten rausgekickt. Dann stand ich mit einer blutenden Nase am Zaun und hab durch die Sprossen weiter zugesehen. Heute sehe ich meine Filme durch den Sucher.“Woo, der Filme realisierte wie „The Killer“, „Broken Arrow“, „Face/Off“, „Paycheck“, „Mission Impossible II“ und „Red Cliff“, sieht sich selbst als „Brücke zwischen China und Hollywood“, wie er im Gespräch mit Cineplexx.at erklärte. „Ich möchte ab jetzt sogar noch mehr Filme machen, um die guten Dinge des Westens mit den guten Dingen des Ostens zu verbinden. Mein Traum wäre, einen Film in Europa zu machen. Und dann am besten ein Musical. Ein Gangster-Martial-Arts-Musical.“ Sein Film „Assassins“ sei sein wichtiger Beitrag zur Emanzipation, ist es doch immerhin sein erster mit einer weiblichen Hauptrolle. Woo: „In China hatten wir schon lang keinen Film mehr mit einer weiblichen Hauptrolle. Die Leute denken, Martial Arts ist nur etwas für Männer und über deren Freundschaften. Aber ich glaube, die Zeiten ändern sich. Das junge Publikum im fernen Osten wünscht sich mehr, sie wollen Filme – auch Martial-Arts-Filme – sehen, die sie zum Denken anregen und zum Fühlen. Das war auch unser Ziel.“ Für die Hauptfigur in „Assassins“ ließ er sich von Quentin Tarantinos Uma Thurman in „Kill Bill“ inspirieren, änderte sie aber für Fernost-Bedürfnisse um: „Die Heldin bei Tarantino ist sehr amerikanisch, stark und kraftvoll. Michelle Yeoh dagegen spielt eine Frau, deren Stärke in der Emotion liegt. Sie ist bereit, für die Liebe zu leiden.“ Wenig Mitleid muss man jedenfalls mit Regisseuren in China haben, erklärte Woo: „Anders als in den USA ist in China der Regisseur Gott-gleich. Er kontrolliert alles. Er muss sich keine Anweisungen gefallen lassen, er muss keine Besprechungen halten. Wir gehen dort einfach ins Studio und sagen: ‚Ich will den oder den Film machen’ und sie sagen Ja. Man braucht nicht einmal ein Skript.“ Nach Jahren der Arbeit in Hollywood fühlt sich Woo dort zudem nicht zuhause: „Obwohl alle sehr freundlich und extrem respektvoll sind, glaube ich, die Menschen verstehen sehr wenig von unserer Kultur und unserer Mentalität.“ Er selbst wolle noch viel lernen, sagt Woo: „Ich will immer neue Kulturen kennen lernen, neue Fähigkeiten erwerben.“ Einen 3-D-Film zu machen, kommt führ ihn dennoch nicht infrage: „Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich mochte ‚Avatar’ wirklich sehr, ein technisch toller Film. Aber ich habe nicht die Zeit, mich in diese Materie einzuarbeiten. Jetzt mache ich schon eine Weile Filme und kenne mich gerade in 2D ganz gut aus, wie alles funktioniert. Bis ich in 3D so sicher wäre, das würde ich glaube ich nicht mehr erleben.“Matthias Greuling / Alexandra Zawia
John Woo zeigt stolz seinen Ehrenlöwen in Venedig (Foto: Tuma)
Matthias Greuling Alexandra Zawia celluloid Filmmagazin
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