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Guillaume Canet und die Vielgestalt von Beziehungsangelegenheiten, das alles vor der traumhaften Kulisse am Cap Ferret
KLEINE WAHRE LÜGEN
KRITIK DER WOCHE
Matthias Greuling Alexandra Zawia
Nach einer wilden Partynacht verunglückt der lebenslustige Ludo (Jean Dujardin) schwer mit seinem Motorrad. Der Zeitpunkt ist ungünstig, denn anstatt ihm im Krankenhaus beizustehen, beschließen seine besten Freunde, den alljährlichen gemeinsamen Urlaub im Ferienhaus von Max (François Cluzet) zu verbringen. Dort angekommen ist es dennoch Ludos Schicksal, das den Urlaubern nicht mehr aus dem Kopf geht. Aber nicht nur: Fast jeder von ihnen trägt ein Geheimnis, eben eine kleine Lüge, mit sich herum. So hat sich der stolze Familienvater Vincent (Benoît Magimel) etwa in Max verliebt. Marie (Marion Cotillard) wiederum glaubt, ihre Bindungsängste mit wechselnden Affären therapieren zu können, und Frauenheld Éric (Gilles Lellouche) hofft, das Aus seiner Beziehung vorerst vor den Anderen geheim halten zu können.Knapp ein Dutzend Charaktere mit doch recht ähnlichen Problemen beobachtet Guillaume Canet in seiner dritten Regiearbeit, sein nach eigenen Angaben persönlichster Film, zu dem er auch das Drehbuch schrieb und hierfür die Größen des französischen Kinos versammelt. Im Kern ist „Kleine wahre Lügen“ eine lange Sommerepisode vor traumhafter Kulisse, die – von gelegentlichen Einschüben einmal abgesehen – das Ferienhaus am Cap Ferret nie verlässt. Es mag also verwundern, dass Canet für eine im Grunde doch recht unspektakuläre Geschichte zweieinhalb Stunden benötigt. Denn viel mehr, als dass gut situierte Mittdreißiger bis Mittvierziger miteinander über ihre Beziehungen diskutieren und dabei die Sonne genießen, gutes Essen und reichlich Wein konsumieren, passiert hier nicht.Ein „typisch französischer“ Film ist es, den Canet hier gestaltet, ihn dabei aber sehr selbstverliebt wirken lässt. Sehr bourgeoise zelebriert er den Lebensstil einer nur bedingt sympathischen Intellektuellen-Clique, die vor allem mit sich selbst beschäftigt ist und deren Konflikte bei aller Allgemeingültigkeit nicht selten herbeigeschrieben und konstruiert erscheinen. So sehr der Film auch darum bemüht ist, eine Nähe zu den Figuren aufzubauen, man mag weder für den cholerischen Max noch für den von Selbstmitleid geplagten Antoine (Laurent Lafitte) wirkliches Interesse aufbringen, der wie bessessen seiner alten Liebe hinterherrennt. Nett ist es, was „Kleine Lügen“ bleibt – und damit prinzipiell das Thema verfehlt. Denn immer, wenn es ungemütlich werden könnte, wenn tatsächlich einmal für kurze Zeit an alten, verdeckten Wunden gekratzt wird, macht der Film einen Rückzieher. Selbst der eingestreute Humor – Max’ Homophobie ist der Running Gag – dient vornehmlich dazu, immer schön eine Leichtigkeit zu garantieren. Anstatt also mutig auch die dunklen Seiten seiner zumeist männlichen Protagonisten auszuleuchten, verharrt Canet lieber in Postkartenaufnahmen einer mediterranen Urlaubsidylle. Doch schöne Menschen an schönen Orten abzufilmen, und das 154 Minuten lang, ist kein großer Wurf, ungelogen.-Doris NiesserF 2010. Regie: Guillaume Canet. Mit François Cluzet, Marion Cotillard, Benoît Magimel.FILMSTART: 08. 07. 2011zurück zur Startseite
"Kleine wahre Lügen" Foto: Tobis
Trailer
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