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Kritik der Woche Midnight in Paris

Woody Allens neue Komödie "Midnight in Paris" mit Owen Wilson entführt ins Paris der 20er Jahre

Midnight in Paris

KRITIK DER WOCHE

Matthias Greuling Alexandra Zawia

Bei Woody Allen weiß man, was man kriegt. Kontinuierlich liefert er jedes Jahr einen neuen Film ab, mit mal mehr, mal weniger geglückten Geschichten und Besetzungen. Neu erfinden wird sich der 75-Jährige wohl nicht mehr, denn seine Komödien drehen sich im Prinzip immer um die gleichen Themen: Das für Allen schier unmögliche Zusammenleben zwischen Mann und Frau ist so ein Grundthema, aber auch das Verzweifeln an der Kunst und am Leben. Geändert haben sich lediglich die Schauplätze. Mal dreht Allen in London, mal in Barcelona, mal in Paris und derzeit in Rom. Das letzte Abkommen von seiner filmischen Linie schaffte er 2005 mit dem Drama "Match Point", jener Film, auf den Allen am meisten stolz ist, wie er selbst sagt.Doch es bedarf im Allen’schen Universum keiner Innovationen, um intelligente Komödien zu machen. Allen beherrscht das Spiel mit seinem Humor perfekt, viel perfekter als sein zweites Hobby, das Spiel der Klarinette. Unter seinen Gags liegen viele Wahrheiten, mitunter schmerzhafte, die er subtil und sorgfältig dort versteckt. In den Details liegt der tiefgründige Charme seiner Geschichten.Auch in Allens neuem Film "Midnight in Paris" ist das so. Vordergründig erzählt er eine verkitschte Romantikkomödie mit Nostalgiesehnsucht: Allen folgt dem US-amerikanischen Urlauberpaar Gil (Owen Wilson) und Inez (Rachel McAdams), das einen Trip nach Paris unternimmt. Doch ausgerechnet in der Stadt der Liebe schlittert das Paar in die Krise. Gil ist Schriftsteller, der an einem Roman über das Paris der 20er Jahre arbeitet. Inez kann mit Gils Inspirationssuche im verregneten Paris nicht umgehen und bandelt mit ihrer Highschool-Liebe Paul (Michael Sheen) an. Dazwischen darf Frankreichs Präsidentengattin Carla Bruni in einer langweiligen Nebenrolle durchs Bild laufen.Soweit der reale Teil der Geschichte. Als Gil nachts durch Paris streift, um Eindrücke für sein Buch zu finden, taucht um Mitternacht ein Oldtimer auf, der ihn wie von Zauberhand ins Paris der 20er chauffiert. Dort lernt Gil Autoren wie Hemingway und Scott Fitzgerald kennen, lässt sein Manuskript von Gertrude Stein (sensationell: Kathy Bates) lesen, begegnet gar Künstlergrößen wie Dalí (Adrien Brody) oder Luis Buñuel und verliebt sich in eine verführerische Künstlermuse (Marion Cotillard). Der Schriftsteller im (gedanklichen) Kontakt mit seinem Stoff, das hat Allen zuletzt bravourös in "Harry außer sich" (1997) thematisiert.In "Midnight in Paris" sind es Tagträume, die Gil in die Vergangenheit bringen; Allen verbildlicht hier die Sehnsucht der Menschen nach einem erfüllten Leben in einer anderen Zeit. Früher, da ist alles besser gewesen.Ein verführerischer Trugschluss, den Allen durch Schmuckkästchen-Bilder von Paris potenziert Kameramann Darius Khondji kredenzt verkitschten Postkarten-Flair, klischeeverliebt pendelnd zwischen Eiffelturm, Louvre und Montmartre. Allen verliert jegliche Distanz zu seinem Drehort; es ist der subjektive Blick eines schwärmerischen Amerikaners auf Paris. Doch der Kitsch ist hier ein Stilmittel: Er schmiegt sich langsam harmonisch an die Geschichte, die genau von jenen Lebensfantasien erzählt, für die wir alle zu Träumen bereit sind.- Matthias GreulingUSA 2011. Regie: Woody Allen. Mit Owen Wilson, Marion Cotillard, Rachel McAdams, Michael Sheen, Léa Seydoux, Carla BruniFILMSTART: 19.08. 2011zurück zur Startseite

"Midnight in Paris" Foto: Filmladen

Rachel McAdams in unserem Video-Interview in Cannes über Woody Allen und Owen Wilson

Deutscher Kinotrailer









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