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Dany Boons neue Komödie hantiert pointiert mit Vorurteilen, Rassismus und Nationalstolz
NICHTS ZU VERZOLLEN
KRITIK DER WOCHE
Matthias Greuling Alexandra Zawia
Nehmen Sie einem Geiger die Geige weg. Oder einem Bäcker sein Backrohr. Oder einem Hirten die Schafe. Verstehen Sie, was dann passiert? Das wäre, wie wenn sie einem Grenzer die Grenze…In „Nichts zu verzollen“, der neuen Komödie von Dany Boon, passiert genau das: An der belgisch-französischen Grenze im Örtchen Courquin rumort es unter den Zollbeamten: Die EU will ihnen zwecks uneingeschränktem Waren- und Personenverkehr die Grenze wegnehmen, aber bitte, was ist ein Land, das keine Grenze mehr hat? Die Franzosen wollen wegen der Grenzschließung streiken – aber die Situation ist denkbar heikel: Wenn man alle Fahrzeuge passieren lässt, tut man genau das, was die EU will. Wenn man sie alle aufhält, sieht das wiederum nicht gerade nach Streik aus. Inmitten dieser Verzweiflungstaten prallen der belgische Zollbeamte Ruben (energisch: Benoît Poelvoorde) und sein französischer Kollege Mathias (gespielt von Regisseur Dany Boon selbst) mit voller, aus Rassismus und Nationalstolz gespeister Wucht aufeinander. Ruben schimpft die Franzosen Camembert, Mathias und seine Kollegen machen derbe Belgier-Witze, die in ihrer Schärfe noch um einiges heftiger sind als die hiesigen Burgenländer-Späße. Die Situation eskaliert bald, und an der nunmehr offenen Grenze herrscht so etwas wie Krieg. Nur allzu logisch, dass die beiden Streithähne zu einer gemeinsamen Arbeit in einer mobilen Zolltruppe zusammengespannt werden – wo sie dann doch (fast) noch Freunde werden.Klischees sind der Motor allen Rassismus, aller Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit. Dany Boon, Sohn eines algerischen Vaters und einer französischen Mutter, kann davon ein Lied singen, begegnet dem Thema aber lieber mit Humor anstatt mit Moral. Sein Film „Willkommen bei den Sch’tis“ zeigte schon (höchst erfolgreich) die Zwischenmenschlichkeiten innerhalb einer Nation auf, diesmal wagt er sich über die Grenze ins Nachbarland Belgien, wo man auch französisch spricht – eigentlich ein Frevel für den Zollbeamten Ruben. Wo Belgien doch viel besser ist als die Grande Nation.So scharf wie die Protagonisten die Grenze zwischen der belgischen und der französischen Nationalität ziehen, hat das schon etwas von einem Plädoyer für mehr Mut zu Toleranz. Auch, wenn vorderhand der Spaß zählt: Dany Boon und Benoît Poelvoorde laufen auch dank der exakt und pointiert gestrickten Dialoge zu einer komödiantischen Hochform auf, und das Timing der Gags sitzt ebenso perfekt. Auch die weiteren Figuren – vom Schmuggler-Paten über das schmierige Ehepaar mit dem Grenzrestaurant – sind glaubhaft und zugleich komisch – ein Kunststück, das eine gute Komödie ausmacht. Hinzu kommen leise vorgetragene Argumente, weshalb ein Leben mit Vorurteilen gar nicht geht: Als Ruben seinem kleinen Sohn erklärt, dass bis zur Grenze alles belgisch ist, sogar der Himmel und die Sterne, hebelt der Knabe diesen Unsinn aus: Weil die Erde sich dreht, werden die Sterne irgendwann auch französisch. Da schaut der Papa ganz verdutzt und verärgert. Aber so etwas passiert eben, wenn man einem Grenzer die Grenze wegnimmt. -Matthias GreulingF 2011. Regie: Dany Boon. Mit Dany Boon, Benoît Poelvoorde, Julie Bernard, Karin Viard.FILMSTART: 22. 07. 2011zurück zur Startseite
"Nichts zu verzollen" Foto: Lunafilm
Trailer
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