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Worüber Weltstars wie Harrison Ford und Daniel Craig nach Dienstschluss reden, verrieten sie ausnahmsweise mal davor – in Locarno, beim Filmfestival.
Furzende Pferde und ein Single Malt
LIVE AUS LOCARNO
Matthias Greuling Alexandra Zawia
Also was jetzt? Cowboys, wilde Schießereien, Machtgerangel im wilden Westen zwischen Outlaws, heißen Bar-Damen und miesepetrigen Colonels? Oder Alien-Invasion auf der Erde mit unbekannten Flugobjekten, die die Menschen unter Dauerbeschuss nehmen? Wie, bitte, kriegt man diese beiden Filmgenres unter einen Hut? Passt das in nur einen einzigen Film?Es geht, wie Regisseur Jon Favreau in seiner wüsten Genre-Mixtur „Cowboys & Aliens“ vorexerziert. Aber es tut weh. Da der namenlose Bandit mit Gedächtnisverlust (Daniel Craig), der sich in einem kleinen Dorf ausgerechnet mit dem großen Patron des gesamten Landstrichs (Harrison Ford) anlegt. Dort eine überirdische Macht, die mit spacigen Kampfjets ebenjenes Dorf bombardiert. Wenn der Bandit nicht so einen seltsamen Armreif tragen würde, der sich als extraterrestrische Schusswaffe entpuppt, wäre der Film nach dem Angriff der Aliens schon nach 30 Minuten vorüber (und das wäre vielleicht gut so). Es hilft nichts, Hollywood ist ratlos, und verzweifelt auf der Suche nach originellen Geschichten. Warum also nicht zwei gewinnversprechende Genres einfach miteinander kombinieren, ein paar Stars dazu, und fertig? „Wer sich das Programm dieses Sommers ansieht, bekommt meistens Comicverfilmungen oder Sequels serviert“, spricht Jon Favreau wahr. „Wir machen hingegen etwas ganz Neues“. Und auch damit hat er irgendwie recht.Favreau ist zur Zeit mit Daniel Craig und Harrison Ford auf Europa-Werbefeldzug für seinen Film, der in Österreich ab 26. August zu sehen sein wird. Erster Halt: Die Europapremiere von „Cowboys & Aliens“ in Locarno – mit verregneter Premiere auf der Piazza Grande. Da konnte einem Harrison Ford, dieser wortkarge, 69-jährige Kultfiguren-Darsteller, beinahe leidtun. Eine Ehrung fürs Lebenswerk zu bekommen, wie sie ihm das Festival an diesem Abend verlieh, ist doch nur der halbe Spaß, wenn es dermaßen schüttet. Oder waren das Freudentränen?Aber vielleicht war Ford auch genervt, weil er schon den ganzen Tag über in einem Luxushotel im nahen Lugano Interviews geben musste. „Ich sehe das Schauspielen als einen Job, mehr nicht. Gebt mir Geld, und ich tu‘s“, sagte er da zu celluloid. Ein Job kann aber passioniert, oder mit Frust ausgeübt werden, finden wir. „Bei mir ist es zu 90 Prozent Passion. Was ich wirklich an diesem Job nicht mag…“. Ja, wir haben verstanden: Das sind Pressetermine und Interviews. Derartig motiviert machte Ford später auch bei der Pressekonferenz zum Film in Locarno weiter. Immerhin gestand er bereits zuvor im Interview: „Glauben Sie mir, nach einem solchen Tag brauche ich wirklich einen Drink“. Es wird ein Whisky sein, verrät Ford: „Single Malt Scotch“.Eine Leidenschaft, die er mit 007 Daniel Craig teilt. Dass dieser einmal abseits des Agenten-Trubels einen großen Blockbuster drehen kann, lässt den Briten im Unterschied zu Ford regelrecht aufblühen. Craig spricht zum Beispiel leidenschaftlich von seiner aufgrund von „Cowboys & Aliens“ entdeckten Liebe zur Reiterei. „Es ist schon schwer genug, als Schauspieler die Markierung am Boden zu treffen, wo du stehen bleiben sollst. Versuchen Sie das erst mal, wenn Sie auf einem Pferd sitzen“. Vor allem, wenn das Pferd dabei in einer Tour furzt, wie Craig nicht müde wurde zu betonen. „Was haben wir gelacht!“ Single Malt macht lustig.Nicht falsch zu verstehen: Natürlich waren die beiden Topstars keineswegs betrunken, zumindest nicht in Locarno. Es ging ihnen viel mehr darum, den Spirit dieser überaus sinnfreien US-Produktion entsprechend zu transportieren. Locarno-Programmdirektor Olivier Père hatte übrigens triftige Gründe, weshalb er sich um „Cowboys & Aliens“ bemühte. Père stellt den Film in eine Reihe mit „Star Wars“, „Taxi Driver“ oder „Vertigo“, zumindest nennt er diese Filme im gleichen Atemzug. Der Film „orchestriere die Kollision zwischen John Fords ‚The Searchers‘ und Ridley Scotts ‚Alien‘“.PR macht schon Spaß, und PR braucht das Festival in Locarno: Ein Neubeginn, mit den großen, breitenwirksamen Filmen auf der Piazza Grande ist das diesmal, da gehören Stars folgerichtig dazu. Père ist ein Glückskind, dass es mit der Anreise von Ford und Craig so tadellos geklappt hat, obwohl es in Locarno dieses Jahr immerzu regnet, und Ford, der Pilot, diesmal nicht selbst geflogen ist. Der Wunsch nach mehr medialer Aufmerksamkeit wurde dem Festival erfüllt, das ist sicher. Die Journalisten labten sich in der Interviewpause beim Treffen mit Ford und Craig in Lugano an Vittello tonato, Prosciutto melone, Caprese, Melanzane ripiene und einem Branzino aus der Salzkruste. Alles gut. Nur der Film nicht.Vielleicht hat Harrison Ford mit seiner ruhigen, fast resignierenden Zurückhaltung das System des Blockbuster-Betriebs doch am besten auf den Punkt gebracht, wenn er am Ende über die Interviews sagt: „Wissen Sie, den ganzen Tag Lügen, das kann schon anstrengend sein“. Matthias Greuling, Locarno
Ein bisschen zerknirscht: Harrison Ford
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Katzenäugig: Olivia Wilde
Smart wie immer: Daniel Craig (Fotos: Greuling)
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