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Spielformen der Liebe - Locarno-Zwischenbilanz 2010

Schreiende Frauen, geklonte Liebhaber, Analrasuren: Die Liebe im Wettbewerb von Locarno

Locarno 2010: Spielformen der Liebe

LIVE AUS LOCARNO

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In Locarno stehen wechselhafte Tage bevor, glaubt man der Wettervorhersage: Bis zur Preisverleihung am Samstag könnte der eine oder andere Starkregenschauer durchziehen, was den Veranstaltern einige Sorge bereitet: Schließlich fällt bei Regen die stets beliebte Vorführung auf der Piazza Grande ins Wasser und muss in ein Ausweichquartier verlegt werden. Derlei Sorgen haben Journalisten kaum: Die sehen die Filme nämlich bereits am Vortag in einer der Pressevorstellungen im Theater Kursaal. Doch so mancher Beitrag hätte getrost ins Wasser fallen können:Isild Le Bescos Beitrag „Bas-Fonds“ zum Beispiel. Die neue Regiearbeit der Ausnahmeschauspielerin will zeigen, wie Menschen zu Unmenschen werden und in eine Abwärtsspirale geraten. Drei junge Frauen schreien sich an, in einer heruntergekommenen Wohnung, man streitet offenbar um (vergangene) Liebe. Der Film erzählt dies aus der Retrospektive, denn die Frauen sitzen längst in Untersuchungshaft, weil eine von ihnen in Trunkenheit einen Bäcker erschossen hat. In der U-Haft wird nun rekonstruiert, wie es zu der Tat kam. Isild Le Besco verabsäumt jeglichen Spannungsaufbau, was auch an ihren etwas ratlosen Darstellern liegt – die haben nämlich nicht viel Talent, was gerade in den intensivsten Schreiduellen zum Vorschein kommt.Ein bisschen ratlos geriet auch „Homme au bain“ von Christophe Honoré. Die Geschichte einer schwulen Liebe, in der Francois Sagat die Hauptrolle spielt; der Schwulenporno-Darsteller ist hier in Locarno auch in Bruce LaBruce’s „L.A. Zombie“ zu sehen gewesen. Zwei Männer trennen sich, der eine reist nach New York, wo er neben Chiara Mastroianni auch noch eine neue Affäre findet und diese mit Wackelkamera festhält. Der andere bleibt daheim in Gennevilliers, einer Vorstadt von Paris, in der nicht unbedingt die nettesten Gesellen leben. Auch er macht mit anderen Männern rum, verkauft seinen Körper, tänzelt dazwischen mit einem Putzlappen durch die Wohnung, rasiert seinem Neo-Lover die Haare am After, leidet aber fürchterlich unter der Absenz seines Geliebten. Eine explizite Auseinandersetzung mit dem modernen schwulen Paaralltag will Honoré hier nach eigenen Angaben gedreht haben. Tatsächlich aber ist „Homme au bain“ vor allem ein lustlastiges Sexspiel, dem im Grunde jede Sensibilität fehlt und das Sex als Zentrum und Wesensmerkmal jeder menschlichen Begegnung zeigt. In „Womb“ des ungarischen Regisseurs Benedek Fliegauf wird Liebe grundsätzlich anders definiert: Da ist es eine junge Frau (Eva Green), deren Liebe zu ihrem verstorbenen Freund so überlebensgroß ist, dass sie ihn klonen lässt. Damit nicht genug: Sie selbst ist es, die den Klon in ihrem Mutterleib austrägt, und die Jahre des Wartens zubringt (übrigens ohne dabei sichtbar zu altern), bis der Spross alt genug ist, um ihr wieder als Liebhaber zu dienen. Was eine schlaue Kontroverse zum Thema Klonen hätte werden müssen, ist bloß intellektueller Kitsch, an dem man hart zu nagen hat. Gegen die darin vorgestellte seltsame Spielform der Liebe ist selbst „Homme au bain“ noch eine kuschelige Romanze. Matthias Greuling / Alexandra Zawia

Isild Le Bescos Regiearbeit "Bas-Fonds"

Francois Sagat in Christophe Honorés explizitem "Homme au bain"

Trailer "Homme au bain"

Trailer "Womb"

Eva Green klont sich in "Womb" ihren Geliebten einfach neu (Fotos: Festival Locarno)









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